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Chronik der St. Ingberter Feuerwehr
ab 1864


Vor dem Jahre 1864 bestand in St. Ingbert keine Feuerwehr. Die Bürger waren auf Grund einer polizeilichen Verfügung verpflichtet, bei Ausbruch eines Brandes mitzuhelfen, das Feuer zu bekämpfen. Nach alten Überlieferungen mussten die Fuhrwerksbesitzer ihre Pfuhlfässer mit Wasser füllen und zur Brandstätte bringen. Die Einwohner mussten ihre Eimer zur Verfügung stellen. Die Menschen bildeten Ketten von der Wasserstelle bis zum Brandobjekt und reichten die gefüllten Eimer von Hand zu Hand. Eine intensive Brandbekämpfung war zu dieser Zeit noch nicht möglich. Es fehlte an einer einheitlichen Führung und Ausbildung. Diesem Missstand wollte der damalige Polizeikommissar Dapping abhelfen. Er gründete deshalb im Jahre 1864 die Freiwillige Feuerwehr. Mitglieder eines damals bestehenden Turnvereins leisteten der Anregung des Kommissars Dapping Folge und traten freiwillig der neu zu bildenden Wehr bei. Die Gründung der Feuerwehr wurde mit Begeisterung aufgenommen. Der damalige Bürgermeister Chandon lud die jungen Bürger, die sich gemeldet hatten, zu einer beratenden Versammlung ein. In dieser Versammlung wurde der damalige Polizeikommissar Dapping zum Präsidenten, der Tierarzt Hauck zum 1. Kommandanten, Posthalter Ernst Konrad zum 2. Kommandanten und Kaufmann Fischer zum Adjutanten gewählt. Als Abteilungsführer wurden die Herren Bauunternehmer Hellenthal und Bäckermeister Stief gewählt. Hornist wurde der Organist Franz Woll, ein Bruder des bekannten Heimatdichters Karl-August Woll.

Die Uniform bestand aus einer bayrischen blauen Bluse mit rotem Vorstoß, schwarzer Hose und Messinghelm. Die Chargen trugen farbige Haarbüsche. An Geräten besaß die Wehr 3 Spritzen, 1 Eimerwagen, 1 Wasserfass, 1 Rettungs- und 1 Leiterwagen. Polizeikommissar Dapping kam 1865 nach Ludwigshafen am Rhein. 1866 hat die Freiwillige Feuerwehr ihrem ehemaligen Präsidenten Heinrich Dapping ein Album mit Bildern der Gründungsmitglieder zur freundlichen Erinnerung überreicht. Es blieb bis zum Jahre 1934 im Besitz einer Tochter von Herrn Dapping. Zum 70jährigen Stiftungsfest im Jahre 1934 überreichte diese durch Herrn Minister Koßmann das Album als Jubiläumsgeschenk dem damaligen Wehrführer. Nach diesen Bild- und Schriftdokumenten gehörten folgende St. Ingberter Bürger der Gründungswehr an.


Die Begeisterung in der Freiwilligen Feuerwehr hielt leider nicht sehr lange an. Diese Erscheinung war in der ganzen Pfalz festzustellen. Deshalb wurden durch Erlass der Regierung im Jahre 1880 die Pflichtfeuerwehren eingeführt. Ein Handbuch über die allgemeine Feuerwehrpflicht und die Dienstaufgaben des einzelnen Wehrmannes wurden herausgegeben. Ein Exerzierregelement mit Angabe der Kommandos und Signale, Anordnung über den Kommandanten wurden eingeführt. Die Uniform bestand nunmehr aus einem zweireihigen Tuchrock mit Umlegekragen, roten Verstößen und Messingknöpfen.

Durch die Errichtung der Wasserleitung im Jahre 1890 war es notwendig, zwei Schlauchhaspeln mit dem notwendigen Zubehör zu beschaffen. Ferner wurde im Jahre 1896 eine mechanische Leiter von 14 m Steighöhe und im Jahre 1909 eine weitere mechanische Leiter von 22 m Steighöhe beschafft. Mit der Erstellung 3 - 5stöckiger Häuser in der Stadt war die letztgenannte Beschaffung notwendig geworden. Bis zum Jahre 1911 vergrößerte sich die Stadt so stark, dass man es für zweckmäßig hielt, die Wehr in zwei Kompanien aufzuteilen. Der Großbach bildete dabei die Grenze. Die 1. Kompanie war im Gerätehaus hinter der alten Kirche, die 2. Kompanie im Messungsamt in der Josefstaler Straße untergebracht. Am 9. August 1914 konnte die Wehr auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Alle Vorbereitungen hierzu waren bereits getroffen. Doch der Ausbruch des Krieges am 02.08.1914 verhinderte die Durchführung der Feier. Der größte Teil der Wehrleute musste in den ersten Kriegstagen zum Heeresdienst einrücken. Durch das Ausscheiden dieser Männer war die Wehr erheblich geschwächt. Deshalb musste man auf ehemalige Angehörige und jüngere, nicht wehrdienstpflichtige Männer zurückgreifen. In den ersten Kriegsmonaten war die Wehr selbst durch Abstellung von Bahnwachen tätig. Dies bezeugen die Protokolle des Verwaltungsrates. In den Kriegsjahren 1914 - 1918 war die Wehr zu zwei Bränden ausgerückt, und zwar am 28.03. und am 19.05.1915.

Erst nach Beendigung des Krieges konnte wieder ein geordneter Feuerwehrdienst aufgenommen werden. Reorganisationsfragen spielten in den ersten Nachkriegsjahren eine große Rolle. Die Teilung der Wehr wurde, da sie sich als unzweckmäßig erwies, wieder aufgehoben. Man war bestrebt, eine nicht allzu große, aber gut ausgebildete Mannschaft ständig zur Verfügung zu haben. Dadurch sollte die Schlagkraft der Wehr erhöht werden. Bei Ausbruch eines Brandes wurde zu dieser Zeit durch Läuten der Sturmglocke (alte Kirche) alarmiert. Die Alarmierung war für die inzwischen auf 20.000 Einwohner angewachsene Stadt ungenügend geworden. Im Jahre 1923 wurde die erste elektrische Alarmsirene installiert, 1925 stellte das Kommando bei der Stadtverwaltung den Antrag auf Erstellung einer stillen Alarmanlage und Beschaffung eines automobilen Mannschaftswagens mit tragbarer Motorspritze. Zunächst sind die Wünsche aus finanziellen Gründen zurückgestellt worden. 1928 wurde das Trommler- und Pfeiferchorps gegründet, welchem im Jahre 1933 die Gründung der Feuerwehrkapelle folgte. Durch diese Gründungen wurde das Ansehen der Feuerwehr sehr gehoben. Im Mai 1931 wurde der Wunsch der Wehr nach einem automobilen Mannschaftswagen mit tragbarer Motorspritze erfüllt. Das Fahrzeug wurde von der Firma Metz, Karlsruhe, geliefert. Durch diese Anschaffung wurde der Einsatzwert der Wehr erheblich gesteigert. Sie wurde schneller und beweglicher. Nun konnte sie auch über die Stadtgrenze hinaus Löschhilfe leisten. Der Fahrzeugpark wurde im Jahre 1933 um einen weiteren Mannschaftswagen sowie einen 6sitzigen Personenwagen mit Anhänger erweitert. Ferner wurde eine Schaummotorspritze beschafft.

Wie schwerfällig bewegte sich in früheren Jahren die Feuerwehr, wenn es darum ging, Gerätewagen und fahrbare Leitern an höher gelegene Stellen der Stadt zu bringen. Viel Arbeitskraft und Zeit, manchmal auch die Begeisterung, ging auf diesen Wegen schon verloren. Heute fährt die wohldisziplinierte Wehr mit ihren Löschfahrzeugen zum Brandplatz und ist in wenigen Minuten einsatzfähig.

1933 wurde durch den Stadtrat die Errichtung einer stillen Alarmanlage beschlossen. Durch die Inbetriebnahme dieser Melder-Wecker-Anlage im Jahre 1934 war die Wehr auch nachrichtentechnisch auf dem modernsten Ausrüstungsstand.

Die Motorisierung der Wehr bedingte, dass auch ein entsprechendes Gerätehaus für die Unterbringung der Fahrzeuge geschaffen wurde. Das Gerätehaus hinter der alten Kirche war für den vorhandenen Fahrzeugpark zu klein geworden. Im Jahre 1932 wurde hinter dem Rathaus durch Umbau eines bestehenden Gebäudes ein neuzeitliches zweckentsprechendes Gerätehaus für die Löschfahrzeuge eingerichtet. Die handgezogenen Geräte verblieben im alten Gerätehaus.

Eine deutliche Aufwärtsentwicklung verzeichnete die Feuerwehr auch in den Jahren von 1934 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. In diesen wurde u. a. die Neuuniformierung der gesamten Wehr, die Beschaffung von genügend Schlauchmaterial und sonstigen Geräten durchgeführt. Zum Schutz der Stadtteile Sengscheid und Schüren sind an diesen Orten Löschgruppen gebildet worden.

 

Das 75jährige Bestehen der Wehr sollte 1939 gefeiert werden, leider hatte hier wieder der Ausbruch eines Krieges alles zerschlagen. Fast 50 % der Wehrmänner mussten zum Kriegsdienst einrücken, was technisch und personell fast den Zerfall der Feuerwehr bedeutete. Sofort wurden wieder ältere Wehrmänner, Männer aus der Rüstungsindustrie und vom Wehrdienst Freigestellte, zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Nach Erlass des Reichsministeriums des Innern vom 03.06.1942 wurde kriegspolitisch bedingt auch in St. Ingbert eine HJ-Feuerwehr gegründet. Diese HJ-Feuerwehr wurde aus örtlichen Einheiten der Hitlerjugend zusammengestellt. Nach Ausbildung durch Ausbilder der örtlichen Freuwilligen Feuerwehr kam diese HJ-Feuerwehr örtlich und überörtlich zum Einsatz. Befehlsgemäß unterstand diese Einheit bei Übungen und Einsätzen dem Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr St. Ingbert. Im Jahr 1942 beschaffte die Stadt ein neues Löschfahrzeug LF 15. Dieses Fahrzeug hatte eine eingebaute Pumpe. Gleichzeitig wurde ein reichseigenes Fahrzeug LF 15 zur Verfügung gestellt. Die Wehr St. Ingbert war mit den neuen Fahrzeugen in die Feuerwehrbereitschaft St. Ingbert eingegliedert. Sie war als Bestandteil dieser Feuerwehreinsatzbereitschaft bei verschiedenen Brandkatastrophen infolge der Luftangriffe im Einsatz, u. a. in Ludwigshafen, Saarbrücken, Kaiserslautern, Neunkirchen, Pirmasens, Zweibrücken, Saarlautern, Eschringen und Hassel. Hierbei haben sich die alten Feuerwehrmänner und die Angehörigen der HJ-Feuerwehr bestens bewährt. Galt es doch zu retten, was an Hab und Gut noch zu retten war. Im Jahre 1944 war die Ausrüstung der Wehr eine Mustergültige. Vorhanden waren 2 LF 15, 2 Mannschaftswagen mit 2 Tragkraftspritzenanhängern, 1 Personenfahrzeug mit Anhänger, 2 mechanische Leitern und weitere handgezogene Geräte, ca. 3.000 m Schlauchmaterial u. v. m. Bei Fliegeralarm waren alle Fahrzeuge besetzt und einsatzbereit. Die Einsatzkräfte waren während Fliegeralarm dezentralisiert, um einer Vernichtung durch Abwurf von Bomben vorzubeugen. Von 1944 an war eine ständige Feuerwache in Stärke von 20 Mann im Befehlsunterstand eingerichtet. Der Befehlsstand befand sich im LS-Bunker in der Blieskasteler Straße.

Während der Beschießung der Stadt traf am 18.03.1945 eine Granate das Gerätehaus. Einer der Mannschaftswagen geriet in Brand und wurde teilweise vernichtet. Das reichseigene LF15 wurde vor Beendigung des Krieges auf Weisung der Reichsregierung wieder abgezogen. Nach der Besetzung der Stadt durch die Siegermächte gingen noch sehr viele Einrichtungen und Ausrüstungsgegenstände verloren. Das Feuerwehrlöschwesen musste vollkommen neu aufgebaut werden. Leider fehlten der Stadtverwaltung die Mittel, in kurzer Zeit wieder alles zu beschaffen. Die Wehrführung war bestrebt, mit Unterstützung der Verwaltung, den Aufbau der Wehr schnellstens durchzuführen. Die stille Alarmanlage, die ebenfalls vollständig zerstört war, wurde zunächst wieder funktionstüchtig gemacht.

Die Stadtgemeinde erwarb im Jahre 1951 ein gebrauchtes TLF 25, da Mittel für ein neues Fahrzeug nicht zur Verfügung standen. Das Fahrzeug, ein ehemaliges Flugplatz-Tank-Löschfahrzeug, wurde für den neuen Zweck umgebaut. 1952 konnte ein neues LF 8 beschafft werden. Der Kauf einer DL 25 musste noch zurückgestellt werden, da zuvor das Feuerwehrgerätehaus umgebaut und erweitert werden musste. Diese Baumaßnahme wurde 1952 - 1953 durchgeführt. Sie brachte nicht nur Raum für 2 weitere Fahrzeuge, sondern auch einen modernen Schlauchturm und einen Schulungsraum für die theoretische Ausbildung. Das Jahr 1953 brachte im wesentlichen die Ergänzung und Erneuerung der persönlichen Ausrüstung. Neue Uniformröcke, -hosen, Wettermäntel, Atemschutzmasken, Steigergurten usw., aber auch Handfeuerlöscher, TS 8/8 und sonstiges Gerät zählte zu den Beschaffungsmaßnahmen in diesem Jahr. Mit der baulichen Ausweitung der Stadt musste auch die Feuermelde-Anlage erweitert werden. Deshalb wurden auch in den Neubaugebieten Feuermelder installiert. Am 17.02.1955 wurde der Feuerwehr St. Ingbert von der Regierung des Saarlandes ein Hilfsrüstwagen zugeteilt. Dieses Fahrzeug ist ausgestattet mit Geräten für die technische Hilfeleistung.

Es besitzt einen Tragearm für 2 Tonnen, Spill, Starkstromgenerator, TS Motorsäge u. a. v. m. 1956 wurde auf Kosten der Stadtgemeinde eine MARSO-Allzweck-Seilwinde eingebaut. Dieses Fahrzeug wurde schon oft bei Unfällen und sonstigen technischen Einsätzen benötigt. Im Jahre 1954 konnte die längst erforderlich gewesene DL mit einer Steighöhe von 25 m in Dienst gestellt werden. Das Fahrzeug wurde mit einer Vorbaupumpe und einem Starkstromgenerator als Sonderausstattung geliefert. Als Vorbeugemaßnahme wurden nun in beiden Krankenhäusern Anschlüsse für die Notstromversorgung durch die Feuerwehr montiert. 1962 konnte nach Übergabe eines neuen Tanklöschfahrzeuges TLF 16 das alte TLF 25 verschrottet werden. Der Landkreis St. Ingbert beschaffte 1963 eine Füllstation für die Atemluftflaschen der Pressluftatmer. Diese wurden im Gerätehaus St. Ingbert installiert, mit der Auflage, dass die Pressluftflaschen der übrigen Wehren des Landkreises St. Ingbert hier unentgeltlich gefüllt werden. Bis zum Jubiläumsfest im Jahre 1964 wurden 1 MTW, 1 LF 16, 1 P 250, mehrere Pressluftatmer und Schwerschaumgeräte beschafft.

Das 100jährige Bestehen der Wehr wurde vom 03.07. bis 07.07.1964 in einem würdigen Rahmen gefeiert. Einen besonderen Höhepunkt der Feierlichkeiten setzte der damalige Kreisbrandmeister und Ehrenwehrführer Ernst Uhl bereits beim Festkommers, indem er der Wehr die von ihm gewidmete Standarde überreichte. Die Standarde war nach einem Entwurf des seinerzeitigen stellvertretenden Wehrführers, Oberbrandmeister Oswald Hoffmann, in einer Karlsruher Fahnenfabrik gestickt worden. Die Standarde wurde am nächsten Tag in der St. Engelberts Kirche von Herrn Pfarrer Klein geweiht.

Seit diesem denkwürdigen Ereignis sind über zwei Jahrzehnte vergangen. Durch die bauliche Erweiterung, die Ausbreitung der Industrie und die fortschreitende Technik - mit der es stets Schritt zu halten gilt - war es auch in den folgenden Jahren notwendig, Neu- und Ersatzbeschaffungen vorzunehmen.

Größte Sorge bereitete der Wehrführung die Alarmierung der Wehr, da die vorhandene Wecker-Melder-Anlage aus dem Jahre 1934 immer häufiger ausfiel. Drahtbrüche in dem Freileitungssystem und Störungen in der Zentrale waren fast täglich zu verzeichnen. Deshalb suchte die Wehrführung nach einer neuen stillen Alarmanlage. Bereits im Jahre 1965 wurden, nachdem mehrere Anlagen besichtigt waren, Verhandlungen mit verschiedenen Herstellerfirmen von UKW-Melde-Empfängern geführt. Die im Jahre 1966 durch die Stadtverwaltung in Auftrag gegebenen Funk-Alarmanlage wurde am 27.11.1967 in Dienst gestellt. Die Erstausstattung dieser Anlage bestand aus einer ortsfesten Sende- und Empfängerfanstation, dem Funkbedientisch mit dem Alarmgeber, einer hierzu parallel geschalteten, abgesetzten Fernbedienungseinrichtung - die bei der Polizeidienststelle installiert wurde -, 30 UKW-Meldeempfänger und 3 Fahrzeugfunkgeräten. In der Zwischenzeit sind sämtliche Einsatzfahrzeuge mit Funksprechgeräten ausgerüstet worden, die Zahl der UKW-Meldeempfänger hat sich auf 60 erhöht und die Anlage ist technisch erweitert worden. Von den vielen Beschaffungen in dieser Zeit seien nur noch erwähnt:

1965 1 Leichtschaumgenerator, 1967 3 Hitzeschutzanzüge, 1969 1 LF 8 (schwere Ausrüstung), 1 LF 8 (leichte Ausrüstung), 1971 1 Sonderfahrzeug (für besondere Rettungsgeräte) 1972 3 Elektro-Tauchpumpen, 1973 1 Schlauchboot mit Eisschlitten und Zubehör auf einem Einachsenhänger, 3 Taucher Anzüge, 1 Schaumwasserwerfer, 1 Satz Vetter Hebekissen. Es sei noch zu bemerken, dass die Wehr vollkommen neu uniformiert wurde und neue wasserdichte Einsatzanzüge erhielt, die persönliche Ausrüstung vervollständigt und der schwere Atemschutz auf 16 Pressluftatmer und 32 Ersatzflaschen erweitert wurde.

Im Jahr 1973 musste ganz außerplanmäßig ein TLF 16 beschafft werden. Das vorhandene Tanklöschfahrzeug hatte bei der Alarmübung infolge Sandablagerung auf der Fahrbahn einen Unfall und konnte nicht mehr als Einsatzfahrzeug verwenden werden.

1972 wurde ein kreiseigenes Öl-Bindemittel-Lager im Gerätehaus St. Ingbert eingerichtet und die kreiseigene Schmutzwasserpumpe hier stationiert.

In das Jahr 1974 ging die Wehr mit der Hoffnung auf den Neubau eines Gerätehauses. Die bisherige und auch jetzige Unterbringung der Fahrzeuge und Geräte war mehr als mangelhaft, so dass die fach- und sachgerechte Ausübung des Brandschutzes nicht mehr voll gewährleistet werden konnte. Das Raumprogramm zu diesem Neubau war bereits im Jahre 1969 von der Wehrführung aufgestellt worden. Die Stadtverwaltung war seit 1973 bemüht, das Bauvorhaben vorrangig zu behandeln. Es kam zunächst zwischen der Stadtverwaltung und Stadtrat einerseits, sowie der Feuerwehr andererseits zu unterschiedlichen Auffassungen über den Standort des neuen Gerätehauses. Erst durch eine Resolution, in der die Feuerwehr ihre taktisch begründete Forderung nochmals unterstrich, wurde am 21. März 1974 in der Stadtratsitzung beschlossen, das neue Gerätehaus auf dem Gelände der Stadtwerke zu errichten.

 

Am 19. Februar 1974 verstarb der ehemalige Wehrführer der Stadt und langjährige Kreisbrandmeister des Kreises St. Ingbert Ernst Uhl. Mit ihm verlor die Feuerwehr einen Kammerraden, der sich in uneigennütziger Weise große Verdienste im Aufbau des Feuerlöschwesens des Saarlandes, des Kreises und besonders der Stadt St. Ingbert errungen hatte.

Die Feierlichkeiten anlässlich der 110-Jahrfeier der FF St. Ingbert-Mitte fanden vom 14. bis 17. Juni 1974 in einem großen Festzelt im Betzentalstadion statt. Der Festkommers am 14. Juni eröffnete eine Reihe von Veranstaltungen. Ein internationales Fußballturnier und ein Festzug mit großer Beteiligung, vom Marktplatz bis zum Betzental, waren die Höhepunkte dieser Feierlichkeiten. Die 110-Jahrfeier fand ihren Abschluss in einem festlichen Kameradschaftsabend im Karlsbergsaal.

Mit Inkrafttreten der kommunalen Neugliederung des Saarlandes am 01.01.1974 änderte sich auch das Feuerlöschwesen. Das Gebiet der Stadt St. Ingbert erweiterte sich durch die Eingliederung der Gemeinden Rohrbach, Hassel, Oberwürzbach und Rentrisch. Aus den bisher selbständigen Gemeindefeuerwehren wurden fünf Löschbezirke, die zusammen die Freiwillige Feuerwehr der Mittelstadt St. Ingbert bilden. Jeder Löschbezirk wählte aus seinen Reihen einen Löschbezirksführer und für die Gesamtstadt wählte die Vollversammlung den bisherigen Wehrführer der Kernstadt, Hauptbrandmeister Helmut Uhl. Neuer Löschbezirksführer des Löschbezirks Mitte wurde Oberbrandmeister Karl Ripplinger.

Das schönste Jubiläumsgeschenk erhielt die Wehr am 16.09. Der oft geäußerte Wunsch nach einem neuen Feuerwehrgerätehaus rückte mit dem Spatenstich zum ersten Bauabschnitt durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Werner Hellenthal in greifbare Nähe. Die Planung dieses Projektes lag in den Händen des Architekten Köhl und Schönecker. Nach nur siebenmonatiger Bauzeit hieß es am 25.04.1975 endlich "Nun ade du alte Stätte". Die Feuerwehr St. Ingbert-Mitte konnte in ihr neues Feuerwehrhaus einziehen. Das Bauprojekt beinhaltet eine neue Fahrzeughalle für 12 Fahrzeuge, 2 Werkstattboxen, im Nebengebäude Schlauchwaschanlage, Schlauchturm, Stiefelwaschanlage und Toiletten, sowie im Obergeschoss Funkleitstelle und Büros.

 

 

Am 05.05.1975 stellte die Feuerwehr im Rahmen eines Tages der offenen Tür der Bevölkerung ihre neue Feuerwehrzentrale vor. Dieses Ereignis fand bei den Bürgern großen Anklang und man beschloss jedes Jahr im Mai eine derartige Veranstaltung, die einen Einblick in die Arbeit und Aufgaben gibt, zu wiederholen.

Das Jahr 1976 wurde im Saarland auch für die St. Ingberter Feuerwehr zum "Jahr der Waldbrände". Neben einer bis dahin unbekannten Zahl von kleinen bis mittleren Wald- und Flächenbränden entwickelte sich ein am 16.07.1976 gemeldeter Flächenbrand am Wombacher Weiher zum größten Waldbrand der Geschichte der Wehr.

Im Juli 1977 musste das alte Feuerwehrgerätehaus in der Pfarrgasse dem Neubau eines Geschäftshauses weichen; das alte Gerätehaus wurde abgerissen.

Durch die Beschaffung eines RW2 im Mai 1978 sowie die Anschaffung einer DLK 23/12 im Juli 1978 gingen die lang gehegten Wünsche zur Verbesserung der Ausrüstung in Erfüllung. Die alte DL wurde an die Stadt Bexbach verkauft und der HRKW zu einem GW-Öl umgebaut.

In den 70er Jahren änderte sich auch die Rechtsgrundlage des Feuerlöschwesens für das Saarland und der Stadt St. Ingbert. Bedingt durch die Gebiets- und Verwaltungsreform trat am 26.02.1976 die neue Fassung des saarländischen Feuerschutzgesetzes und am 01.08.1975 die Verordnung über die Organisation des Brandschutzes in Kraft. Daraus resultierend verabschiedete der Stadtrat im Juni 1976 die neue Feuerschutzordnung der Stadt St. Ingbert.

Bei den Neuwahlen des Löschbezirksführers und der Wehrführung 1980 konnten HBM Ripplinger und HBM Uhl in ihrem Amt bestätigt werden.

Ein weiteres freudiges Ereignis ließ 1981 die Stadt und insbesondere die Feuerwehr weit über ihre Grenzen hinaus bekannt werden. Unter dem Motto: "Deine Alternative - Jugendfeuerwehr - Engagement und Anpassung" fand zum ersten Mal im Saarland vom 09. bis 13.09. der 9. Deutsche Jugendfeuerwehrtag in St. Ingbert statt. Aus der gesamten Bundesrepublik trafen Feuerwehrführungskräfte ein, an ihrer Spitze der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hinrich Struve, alle Vertreter der deutschen Jugendfeuerwehren, Gäste aus Frankreich, Belgien, Österreich und Luxemburg, sowie Hunderte von Jugendfeuerwehrangehörigen. Hochkarätige saarländische Politiker würdigten durch ihre Teilnahme diese Veranstaltung, deren Schirmherrschaft der damalige saarländische Innenminister Dr. R. Wickelmayr übernommen hatte. Ein Empfang der Gäste durch Landrat Schwarz in Homburg und durch Oberbürgermeister Dr. Hellenthal im St. Ingberter Rathaus eröffnete die Jugendfeuerwehrtage. Höhepunkte waren die Wiederwahl des Bundesjugendleiters Karl Binai aus Kempten und die Bundeswettkämpfe der Jugendfeuerwehren im Mühlwaldstadion. Die St. Ingberter Feuerwehr, in deren Händen die Organisation lag, begann schon Monate vorher, unterstützt durch Landesregierung, Kreis- und Stadtverwaltung mit den Planungen und Vorbereitungen, um einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen zu garantieren. In ihrer umgerüsteten Fahrzeughalle verpflegten die Feuerwehrmänner alle Teilnehmer mit kalten und warmen Mahlzeiten. Ein ständiger Fahrdienst und eine rund um die Uhr besetzte Informationsstelle wurden eingerichtet. Mit Hilfe der Bundeswehr bauten die Feuerwehrleute in der Ingobertushalle 300 Feldbetten auf, um den vielen Jugendlichen und Ausbildern eine Übernachtungsmöglichkeit zu schaffen.

Oberbürgermeister Dr. Helenthal führte im Juni den 1. Spatenstich zum 2. Bauabschnitt der Feuerwehrzentrale durch. Die Bauarbeiten gingen zügig voran, im Februar 1983 konnte schon das Richtfest gefeiert werden und im September fand in Verbindung mit dem 5. Kreisfeuerwehrtag des Saar-Pfalz-Kreises die offizielle Übergabe statt.

Der Neubau enthält im Erdgeschoss einen Umkleideraum, Wasch- und Sanitärräume, eine Atemschutzwerkstatt mit angeschlossener Übungsstrecke, einen Sanitätsraum und mehrere Lagerräume für chemische Lösch- und Bindemittel..

Das 1. OG besteht aus einem großen, mehrfach teilbaren Lehrsaal, einer Kleiderkammer, einem Ruheraum, einem Jugendfeuerwehrraum, Toiletten sowie mehreren Sozial- und Lagerräumen. Im 2. OG wurden zwei Wohnungen für Feuerwehrangehörige errichtet.

Der LBZ St. Ingbert-Mitte gründete im Januar 1983 als letzter LBZ der Stadt eine Jugendfeuerwehr.

Im Rahmen des erweiterten Katastrophenschutzes erhielt die Feuerwehr St. Ingbert Mitte im Dezember 1965 vom Saar-Pfalz-Kreis ein neues LF 16-TS.

In den seit der Gebietsreform zur Feuerwehr St. Ingbert gehörenden Löschbezirke waren ebenfalls Erneuerungsverfahren notwendig. Die Stadt baute deren Gerätehäuser um bzw. neu, um auch hier Feuerwehren ein angemessenes Zuhause zu geben. Desweiteren wurden in den Jahren 1980 bis 1983 auch folgende Neu- oder Ersatzbeschaffungen an Löschfahrzeugen ermöglicht:

1980 leichtes LF 8 Rentrisch, 1982 TLF 16/25 Hassel, 1983 TLF 16/25 Rohrbach und Oberwürzbach.

Die Feuerwehrmänner der Gesamtstadt wählten 1986 Helmut Uhl erneut zu ihrem Wehrführer. Der LBZ St. Ingbert-Mitte erhielt, nachdem der langjährige LBZ-Führer Karl Ripplinger aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte, einen neuen Löschbezirksführer. Die Mehrheit der Stimmen konnte Peter Jungfleisch auf sich vereinigen.

Schwierigkeiten bereitete der FF in den letzten Jahren immer wieder die "stille Alarmierung". Die vorhanden unmobilen Meldeempfänger von der Größe eines Kofferradios waren vor über 20 Jahren beschafft worden. Obwohl damals revolutionär, sind sie aus heutiger Sicht aus den Kindertagen der Funkmeldetechnik und wurden immer störanfälliger. Außerdem stand eine Änderung des Funkalarmkanals bevor und dadurch eine finanziell unrentable Umrüstung der noch wenigen intakten Geräte. Aus diesem Grund beschaffte im Januar die St. Ingberter Feuerwehr 100 neue Meldeempfänger, die an alle Löschbezirke verteilt wurden.

Die Geräte von der Größe einer Zigarettenschachtel ermöglichen es den Feuerwehrangehörigen, den Empfänger immer mit sich zu führen und so von der Polizeiwache als auch von der Funkzentrale in St. Ingbert-Mitte - im Einsatzfall - ständig erreicht zu werden.

Der LBZ erhielt im März vom Saar-Pfalz-Kreis einen Ölsanimat-Anhänger.

Ein seltenes Jubiläum konnten acht St. Ingberter Feuerwehrmänner im April feiern. Sie erhielten eine Auszeichnung für jeweils 45jährige Dienstzeit.

Da das bereits 15 Jahre alte TLF den stetig wachsenden Anforderungen nicht mehr gewachsen war, überreichte im November OB Dr. Brandenburg dem LBZ ein neues TLF 16/26 SA.

Im Jubiläumsjahr 1989 blickte die Feuerwehr St. Ingbert auf 125 Jahre Geschichte zurück.