In der letzten Oktoberwoche 2018 fand der Übungsdienst der Feuerwehr St. Ingbert – Mitte nicht wie gewöhnlich am Montagabend statt, sondern freitags abends. Dies hatte auch einen Grund: die Feuerwehrkräfte trainierten in 3 verschiedenen Übungsszenarien, neben dem Abarbeiten der eigentlichen Einsatzaufträge, das Ausleuchten der Einsatzstellen und das Verhalten bei Einsätzen in den Nachtstunden.

Person in Schacht

Bereits um 18 Uhr trafen sich die Teilnehmer um auf die Fahrzeuge eingeteilt zu werden. Kurz darauf wurden die Fahrzeuge des technischen Zugs zu der Übungsmeldung „Person in Notlage – Person in Schacht, Näheres unklar“ zum Albertus-Magnus-Gymnasium gerufen. Daraufhin rückte ein Hilfeleistungslöschfahrzeug und ein Rüstwagen zur angegebenen Adresse aus.

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Vor Ort wurden die Kräfte durch die Übungsleitung in das Szenario eingewiesen und begannen mit der Erkundung der Lage. Durch den Einsatzleiter wurde bei der Erkundung eine nicht ansprechbare Person in einem vier Meter tiefen Schacht vorgefunden. Erste Messungen mittels eines Gasmessgeräts ergaben in der Übungsannahme eine wesentlich geringere Sauerstoffkonzentration im Schacht als gewöhnlich. Daraufhin war klar, dass die Person schnellstmöglich und unter dem Einsatz von Atemschutz gerettet werden musste. Um dies zu gewährleisten rüsteten sich sofort zwei Feuerwehrmänner mit Atemschutz aus und stiegen über eine Leiter zur verunfallten Person in den Schacht. Währenddessen bereiteten die weiteren Einsatzkräfte die Rettungsmittel vor und brachten diese in Stellung. Nachdem die Person erstversorgt war, konnte diese mittels einer Personenwinde und einem Dreibein, in einem Rettungsdreieck sitzend, gerettet werden.

Gefahrstoffunfall mit Brandfolge im Chemiesaal

Dieser „Unfall“ war jedoch nicht das alleinige Szenario am Standort der Albertus-Magnus-Schule. Um alle Kräfte zeitgleich beschäftigen zu können und die Objektkenntnis zu fördern, gab es kurz nach Eintreffen des technischen Zugs eine weitere Übungsmeldung am angegebenen Objekt. In diesem Fall wurde eine außer Kontrolle geratene chemische Reaktion mit Brandfolge im Chemie-Trakt im 2. Obergeschoss angenommen. Da keine verbindliche Aussage zum Verbleib der Personen aus dem Bereich vorlag, musste davon ausgegangen werden, dass sich noch Personen im Gebäude befinden. Deshalb rückten ein Löschfahrzeug, eine Drehleiter, ein Gerätewagen Gefahrgut sowie ein Kommandowagen zur Einsatzstelle aus. Vor Ort bestätigte sich dem Einsatzleiter das gemeldete Bild - es drang leicht gelblicher Rauch aus dem Fenster und es musste davon ausgegangen werden, dass sich noch mindestens zwei Personen im betroffenen Bereich aufhalten. B 20181026 Aufmacher Nachtuebung 03Nach einer näheren Erkundung wurde ein Einsatz nach der sogenannten „GAMS-Regel“ befohlen. Dies ist ein Standard zum Ergreifen von Erstmaßnahmen nach Unfällen mit Beteiligung von CBRN-Gefahrstoffen (chemische, biologische, radiologische oder nukleare Stoffe). Nach der Regel wurde also zu Beginn die Gefahrenlage analysiert und bewertet, um gleich darauf den Gefahrenbereich abzusperren und Einsatzkräfte zur Menschenrettung einzusetzen. Über die Drehleiter wurde das Gebäude von außen kontrolliert und eine Anleiterbereitschaft für die eingesetzten Kräfte im Inneren gewährleistet. Somit ist für diese Einsatzkräfte stets ein unabhängiger zweiter Rettungsweg verfügbar. Während sich die Einsatzkräfte unter Atemschutz, mit einem C-Rohr und einem Pulverlöscher zur Menschrettung unter simulierter „Nullsicht“ vorarbeiteten, richteten weitere Kräfte am Ausgang einen Platz zur Not-Dekontamination ein. Dort werden alle Einsatzkräfte und Personen, die sich im Gefahrenbereich befanden von anhaftenden Gefahrstoffen befreit oder gereinigt. Nach kurzer Zeit konnten die beiden vorgehenden Atemschutztrupps die erste Person und kurz darauf die zweite Person finden und mit einem Rettungstuch in den rauchfreien Bereich bringen. Von dort wurden die Patienten abtransportiert und fiktiv über die Dekontaminationsstelle an den Rettungsdienst übergeben.
Nach erfolgreicher Rettung und dem planmäßigen Verlassen des Gefahrenbereichs über die Not-Dekontaminationsstelle wurde die Übung für beendet erklärt. Im Anschluss an eine kurze Nachbesprechung wurden die vorgenommenen Einsatzmittel zurückgebaut und eine kurze Objektbegehung des Schulgebäudes mit Augenmerk auf wichtige feuerwehrtechnische Einrichtungen durchgeführt.

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei der Schulleitung des Albertus-Magnus-Gymnasium bedanken, die stets ein offenes Ohr für die Übungstätigkeiten der Feuerwehr an ihren Gebäuden hat.

Person unter Baum eingeklemmt – weitere Personen vermisst

Gegen 20 Uhr waren wieder alle Einsatzfahrzeuge zurück auf der Feuerwache. Die Mannschaft konnte sich kurz ausruhen und wurde dann für die nächste Übung eingeteilt. Um 20:15 Uhr wurden die ersten Fahrzeuge erneut zum Einsatzstichwort „Person in Notlage“ gerufen. In diesem Fall war eine Person unter einem Baumstamm eingeklemmt. Erst bei Ankunft wurden den Kräften – wie in der Realität auch – das gesamte Ausmaß der Situation bewusst. Die Einsatzstelle befand sich mitten in einem dicht bewachsenen Hang an der Oststraße. Die genaue Lage des Patienten wurde durch den Einsatzleiter erkundet und erste Befehle über Funk erteilt. Dazu gehörte unter anderem auch das großflächige Ausleuchten der gesamten Örtlichkeit. Beim Patienten angekommen wurde schnell klar, dass dieser wohl in Begleitung zweier Personen unterwegs war, diese waren aber zu diesem Zeitpunkt verschwunden.B 20181026 Aufmacher Nachtuebung 04
Bei der ersten Lagebesprechung aller Einheitenführer vor Ort informierte der Einsatzleiter über die Vorgehensweise zur schonenden Personenrettung aus dem Hang, weiter forderte er Unterstützungskräfte zur Personensuche an. Zeitgleich begannen die verschiedenen Einheiten die gegebenen Befehle umzusetzen. Der Weg zum Patienten wurde mittels Leinen gesichert, technisches Material zur Rettung durch das schwierige Gelände vor Ort gebracht und eine systematische Personensuche im Nahbereich eingeleitet. Unter Zuhilfenahme von Rüstholz, Motorkettensäge und einem Hebebaum wurde die Person schnell und professionell aus der Notlage befreit und mit einer speziellen Trage unter dem Baum heraus gerettet. Auch die Personensuche im Unterholz zeigte schnell Erfolg. Die Vermissten konnten gemeinsam an einem Baum sitzend aufgefunden und zum Verletztensammelplatz gebracht werden. Hierbei machte sich die Kombination der konventionellen Suche und der Einsatz von Wärmebildkameras bezahlt. Auch der Verletzte im Hang wurde zwischenzeitlich in einer Schleifkorbtrage über die Drehleiter schonend auf den Parkplatz gebracht und konnte dort fiktiv dem Rettungsdienst zum Transport übergeben werden.

Nach circa 60 Minuten konnte auch diese Übungseinheit als erfolgreich abgeschlossen betrachtet werden und alle Kräfte zur Feuerwache einrücken. Die Geräte und Fahrzeuge wurden wieder einsatzbereit gemacht und die Übungsteilnehmer durften sich nach einer Abschlussbesprechung mit Essen und Getränken stärken.

 

Person in Schacht

Einsatz nach GAMS

 Person unter Baum

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